Pius_IX3.5. Der Anspruch des Papstes: Unfehlbar?

Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) verkündigte der im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II selig gesprochene Papst Pius IX das sogenannte Unfehlbarkeitsdogma, welches seit dem in der öffentlichen Diskussion steht; vermutlich, weil es einen Nerv unserer Zeit trifft: den Pluralismus.
Der Text des Konzilsdekrets „Pastor Aeternus” liest sich wie folgt:

Zur Ehre Gottes, unseres Heilandes, zur Erhöhung der katholischen Religion, zum Heil der christlichen Völker lehren und erklären wir endgültig als von Gott geoffenbarten Glaubenssatz, in treuem Anschluss an die vom Anfang des christlichen Glaubens her erhaltene Überlieferung, unter Zustimmung des heiligen Konzils: Wenn der Römische Papst in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt: wenn er seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte. Diese endgültigen Entscheidungen des Römischen Papstes sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich. Wenn sich jemand — was Gott verhüte — herausnehmen sollte, dieser unserer endgültigen Entscheidung zu widersprechen, so sei er ausgeschlossen.“

Es ist also deutlich gesagt, dass die Unfehlbarkeit hier nicht in der Person des Papstes begründet ist, sondern in der Vollmacht Gottes. Was nicht in der rechten Form vorgebracht ist, in offenem Widerspruch zur überlieferten Glaubenslehre steht oder nicht in die Bereiche der Glaubens- oder Sittenlehre gehört, hat in Bezug auf das Dogma keine Relevanz.

Doch auch wenn der Wirkungskreis des Dogmas eingeschränkt ist und es zudem bisher kaum angewand wurde, ist es als Garant für die Einheit der Lehre, als Bollwerk gegen den Relativismus unserer Zeit sowie als Bezugspunkt für die Einheit der Christen von unschätzbarem Wert.