3.2. Woher kommt die Bibel?
In der Bibel begegnet uns nach christlichem Glauben das Wort Gottes: im Alten Testament als Mythos, im Neuen Testament als Logos. Autoren der Bibel sind Menschen, die ihre Schriften quasi unter Anleitung des Geistes Gottes verfasst haben; anders ausgedrückt, die Schriften gelten als göttlich inspiriert bzw. autorisiert und darum als Selbstoffenbarung Gottes.

Nach christlichem Verständnis ist die Bibel vollständig und abgeschlossen, d.h. es sind keine weiteren Offenbarungen nötig. Zusätzlich gibt es zahlreiche Texte, die denen der Bibel sehr ähneln, die mit ihnen aber nicht identlisch sind: So gibt es eine ganze Reihe an Evangelien, Christuserzählungen sowie Lehr- und Gemeindebriefen, ebenso wie Geschichten über das Volk der Juden im Alten Testament.
Genannt werden diese Schriften "Apokryphen". Wie bei anderer Literatur auch, ist ihre Qualität sehr unterschiedlich. Als authentische christliche Lehre gelten sie nur, soweit sie den biblischen Texten entsprechen, auch wenn einige Erzählungen lebendigen Einzug in die Volksfrömmigkeit gefunden haben.
Die Gesamtheit der zur Bibel zählenden Schriften nennt man den "Kanon", der sich im Laufe der ersten Jahrhunderte nach Christi immer weiter konkretisiert hat. Seine Verbindlichkeit beruht auf dem Glauben an den historischen Jesus von Nazareth, der der von ihm gegründeten Kirche diesbezüglich eine göttliche Vollmacht verliehen hat.
(Vgl. Mt.6,19; Joh.20,21/23; 2 Petr.1,20 ...)
Grundlage für die Akzeptanz der Bibel als göttlich inspiriertes Werk ist das gemeinsame Bekenntnis der Christen, die Bezeugung durch das Lehramt sowie der innerbiblisch verkündete Zuspruch Christi. An einen Bibelkanon zu glauben, die Kirche jedoch abzulehen, würde dem Vertrauen in die Bibel den Boden entziehen, da die Heilige Schrift in diesem Falle durch eine nicht autorisierte Institution legitimiert wäre.
Natürlich kann sich jeder Leser auch direkt vom Wort Gottes angesprochen fühlen. In diesem Falle würde er sich allerdings entweder nur einiger ihm gefälliger Aspekte bedienen, oder aber durch die Annahme des gesamten Kanons auch zu jenen Stellen gelangen, die die Kirche als Stiftung Christi beschreiben: vom Amtsverständnis der Apostel bis hin zum ersten Konzil.
