Vom Paradies zum Garten
Paradies
Natur
Der Urzustand
Man darf sich den Urzustand nicht im Sinne einer historischen Periode vorstellen. Auch (staats)theoretische Ausgangszenarien philosophischer Gesellschaftsmodelle gehen einen völlig anderen Weg.
Die Idee vom Paradies ist eher wie die Erinnerung an einen Traum. Wir können sie nicht greifen, aber sie hinterlässt eine Stimmung. Eine Sehnsucht nach dem ursprünglich Guten, dem Wahren und Schönen, das uns im wirklichen Leben so oft durch die Finger rinnt.
Das Paradies ist ein Ort der Inspiration, der uns erahnen lässt, wie die Welt wohl ursprünglich gedacht war. Auf diese Weise ist sie nicht nur Quelle, sondern gleichzeitig auch Ziel unserer Bemühungen, die Welt nach bestem Vermögen zu einem besseren Ort zu wandeln.
Paradiesgarten
Gut & Böse
Der Bruch
Der Fall. Das Gute geht zu Bruch, der Mensch wird aus dem Garten vertrieben und trägt Sehnsucht in sich.
Wenn wir uns umsehen, erkennen wir Schönheit und Schmerz. Die Schönheit lässt uns erahnen, wie es einmal gewesen sein könnte, wie die Welt gemeint war. Der Schmerz hingegen zeigt die Wirklichkeit, die diesem Anspruch nicht genügt. Etwas scheint zu Bruch gegangen zu sein.
Das Bild der Vertreibung aus dem Paradies trägt dieser Diskrepanz Rechnung. Es findet sich nicht damit ab, dass Verlust, Schmerz und Tod als feste Konstanten das gesamte Dasein bestimmen, sondern beschreibt einen Verlust, der uns anregt, das verlorene Gut wieder zu erlangen.
Die ungezähmte Kraft
Die Wildnis ist sich allein überlassen: Kraftvoll, chaotisch, schön – doch auch gefährlich.
Natur – vom Menschen unberührter Raum – ist ein Ort der Gefahren und lebensfeindlichen Bedingungen. Sie kennt keine Wertung, keine Ethik und auch keine Ästhetik, einzig die bessere Anpassung zählt.
Auf der Erde finden wir eine derartige Wildnis längst nicht mehr. Alles ist vermessen, kartographiert und unterliegt von Menschen geschaffener Technik – im Guten wie im Schlechten.
Eine Ahnung der ursprünglichen Kraft, von der naturbelassene Gebiete geprägt sind, erfährt man vielleicht noch bei der Erkundung der Tiefsee oder besser weit draußen im Kosmos, fern ab der irdischen Sphäre.
Die Kultivierung der Hoffnung
Es ist das Wesen des Menschen, aus der Natur eine Kultur zu erschaffen. Während alle Lebewesen auf ihre ökologischen Nischen angepasst sind, ausserhalb derer sie nicht existieren können, schafft sich der Mensch seine eigene Umgebung und kann in Sand- oder Eiswüsten, sogar im Weltraum überleben.
Ein Garten ist in dieser Hinsicht der von Menschen geschaffene Ort, die Schönheit der Natur zu bewahren und die Wunden zu heilen – ganz im Sinne einer Restaurierung des verlorenen Paradieses.
Nutzgärten
& Kunst
