1.3. Kann ein Gott in drei Personen noch monotheistisch sein?
Die christliche Vorstellung von Gott wird Trinität oder Dreifaltigkeit genannt, da Gott in drei Personen verehrt wird: als Schöpfer der Welt, als sein eingeborener Sohn sowie als Heiliger Geist. Die großen christlichen Konfessionen sehen darin keinen Widerspruch zum Monotheismus, der im Gegensatz zum Polytheismus von einer einzigen Gottheit ausgeht. Dabei berufen sie sich sowohl auf philosophische Überlegungen als auch auf die biblisch fundierte Tradition.
1.3.1. Die Dreifaltigkeit ist im Wesen der Liebe begründet
Eine der traditionell christlichen Synonyme für Gott heißt „Liebe” (1 Joh 4,16). Beim Hören der häufig genannten Aussage „Gott ist die Liebe“ denkt jedoch selten jemand an die Notwendigkeit einer innergöttlichen Relation, die eine solche Auffassung mit sich bringt. Wenn niemand da ist, der geliebt werden kann, läuft die Liebe ins Leere und reine Eigenliebe oder Selbstverliebtheit kann sich mit der Selbstaufgabe auf eine andere Person hin nicht vergleichen. Wenn also Gott die Liebe selbst in ihrer höchsten Vollendung ist, so bedingt dies schon innerhalb seines Wesens eine Relation – also zumindest eine Binität – von zwei Personen.
1.3.2. Das Verhältnis der göttlichen Personen zur Welt
Ein monotheistischer Gott ist dem Wesen nach getrennt von seiner Schöpfung, die er aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat. Auf die Frage, wie biblisch beschriebene Interaktionen zwischen Gott und Menschen möglich sind, kann der Hinweis auf die Trinität Antworten aufzeigen, denn sowohl der Sohn als auch der Geist wirken explizit in der Welt.
Während der Geist als Hauch Gottes verspürt wird, in dem er Menschen als Liebe und Beistand begegnet, spricht die Bibel vom Sohn als „Logos“ - als eingeborenem Wort Gottes in der Welt (Joh 1). Durch seine innerweltliche Präsenz ändert sich das Wesen Gottes jedoch nicht, denn mit dem Vater existieren Sohn und Geist schon von Anbeginn; ihre Gegenwart versteht sich als Zeichen der Anteilnahme und Liebe Gottes für seine Geschöpfe.
Im historischen Erscheinen des Logos, durchlebt Gott selbst das menschliche Schicksal und zeigt den Weg zum ewigen Leben auf. Dieser Liebesbeweis ist von besonderer Qualität und einzig dann sinnvoll zu verstehen, wenn einerseits tatsächlich Gott die menschliche Existenz teilt und nicht „nur“ ein besonders tugendhafter Mensch (oder sogar eine fremde Gottheit) an Gottes Stelle, andererseits auch eine tatsächliche Menschwerdung stattfindet und Gott die liebende Teilhabe am Menschsein nicht nur vorspielt.
Auch wenn die anderen monotheistischen Religionen nicht von einer Mehrfaltigkeit Gottes sprechen, gibt es dort Traditionen, die das Wirken Gottes in teils ähnlicher Weise darstellen. So kennen Juden einen Heiligen Atem oder Hauch Gottes, der dem Heiligen Geist der Christen in mancherlei Hinsicht ähnelt. Selbst der Islam ist nicht völlig frei von derartigen Überlegungen: dort ist es der Logos, der zwar nicht als Person, aber doch als Buch, als himmlischer Koran Wort Gottes in der Welt ist.
1.3.3. Die Vorstellung der Dreifaltigkeit
- Kleeblatt
Der irische Bischof Patrick erklärte die Dreifaltigkeit anhand eines Kleeblattes, welches einen Stengel aber drei Blätter habe: also drei in einem. In der Herzförmigkeit der Blätter sah er die Liebe Gottes ausgedrückt. - Der sich selbst denkende Mensch
Nach Augustinus ist der geistige Selbstvollzug des Menschen gleichsam „trinitarisch”, wie sich durch ein „Experiment” aufzeigen lässt: Wenn der Mensch versucht, sich selbst zu denken, dann setzt er sich als der Denker (der sich denkt), als Gedanke (als den er sich denkt) in einem einheitlichen Denkakt (in dem er sich denkt). Indem sich der Mensch in diesen drei Momenten setzt, setzt er sich als der Eine, der er ist - und ist damit ein Bild der dreifaltigen Gottes. - Dreiklang
Eine Harmonie aus drei Tönen - Gesichter
Der Exeget Klaus Berger stellt die Dreifaltigkeit in seinem Buch „Jesus” wie folgt dar:
„Diese drei Gesichter hat Gott; so wie man sagt, eine große Stadt habe mehrere Gesichter. Auch das ist ein Bild, uns vielleicht verständlicher als das Wort »Person«. Es ist aber erlaubt, von Gesichtern zu reden, weil im Griechischen das Wort »Gesicht« dasselbe ist wie das Wort »Person«, und auch unser Personenbegriff kommt aus dem lateinischen Wort für »Gesicht«.”
1.3.4. Göttliche Personen und Dreifaltigkeit in der Bibel
Die folgenden Verweise erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie sind als Anregungen zum selber Nachschlagen gedacht.
Göttlichkeit Christi:
Joh 1,1-18 PrologJoh 8,58 (Bezug auf Ex 3.14 "ich bin")
Noch ehe Abraham wurde, bin ich.Joh 10,30
Ich und der Vater sind eins.Joh 20,28
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!1Joh 5,20
Wir wissen aber: Der Sohn Gottes ist gekommen und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir (Gott) den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und das ewige Leben.Phil 2,5-11 Das Beispiel Christi
Kol 1,12-20 Loblied auf Christus, das Ebenbild Gottes
Der Heilige Geist:
Joh 16,7
Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.Joh 16,13
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.Apg 8,39
Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus.Röm 8,25
So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.
Trinität:
Mat 28,19
Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen GeistesJoh 17,24
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.2Kor 13,13
Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
