2.4. Wozu werden Heilige verehrt?

Johannes_der_Taeufer

Die katholische Christenheit verehrt seit je her besonders tugendhafte Verstorbene als „Heilige”, was nach aussenhin teilweise als Rückfall in den Polytheismus gedeutet wird. Für Viele erscheint es, als entsprächen die Heiligen dem Wesen und der Funktion nach den alten Göttern, wobei wohl kein Unterschied zwischen Anbetung und Verehrung gemacht wird.

Tatsächlich handelt es sich bei den Heiligen der katholischen Kirche um Menschen. Wie wir auch lebende um Beistand bitten, sie für ihre Taten ehren und bewundern, so tun wir das im Glauben an ein Leben nach dem Tod auch bei unseren Verstorbenen. Wenn wir der Meinung sind, dass ein Mensch ein gottgefälliges Leben geführt hat, gehen wir davon aus, dass er das Ewige Leben erhalten hat, oder anders ausgedrückt, die ewige Seligkeit.

Vor allem bei Menschen im öffentlichen Leben, deren Vorbildfunktion für Viele ersichtlich ist, kann die Kirche nach dem Tod auf eingehende Prüfung hin feststellen, dass deren christlicher Lebenswandel zur Seligkeit geführt hat. Hat ihr Wirken mehr lokale Bedeutung, spricht man sie "Selig", sind sie für die Weltkirche als Vorbild relevant, werden sie "Heilig" gesprochen.

Natürlich ändert dieser zugesprochene Status nichts an den Verstorbenen selbst: eine Heilig- bzw. Seligsprechung rettet niemanden, sie stellt nur fest, dass der Betreffende als Vorbild christlichen Lebens gelten kann, also bereits gerettet ist. Dabei ist niemand verpflichtet, einen Heiliggesprochenen zu verehren, ebenso kann man jederzeit davon ausgehen, dass ein lieber Bekannter oder Verwandter für einen als Beistand eintritt.

In der volkstümlichen Überlieferung hat sich eingebürgert, dass man bei verschiedenen Nöten unterschiedliche Heilige als Fürsprecher anrufen kann. Ursache hierfür ist meist der Tod oder das Wirken des betreffenden Heiligen, so dass man aus dessen Erfahrung heraus ein besonderes Verständnis für die entsprechende Notlage vermutet. Das Wirken des Heiligen liegt dabei aber immer in der möglichen Fürsprache, er kann nie selbst eine göttliche Gnade gewähren.