Die Laien

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Laien und Geweihte

Geweihte sind sich bewusst, dass sie von Christus nicht bestellt sind, die Heilsmission der Kirche allein auf sich zu nehmen. Vornehmliche Aufgabe der Geweihten ist es, die Gläubigen als Hirten zu führen und ihre Dienstleistungen und Charismen so zu prüfen, dass alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk zusammenarbeiten.

Das Volk Gottes ist Eines mit vielen Gliedern, die einander gleichgestellt sind: „es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau; denn alle seid ihr einer in Christus Jesus" (Gal 3,28)

Wenn also nicht alle in der Kirche den selben Weg gehen, so sind doch alle in gleicher Weise zur Heiligkeit berufen. Der Unterschied, den der Herr zwischen geweihten Amtsträgern und dem übrigen Gottesvolk gesetzt hat, schließt andererseits eine Verbundenheit ein. Das Konzil zitiert dazu Augustinus:

„Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil."
  • Laien können in verschiedener Weise zu unmittelbarer Mitarbeit mit dem Apostolat der Hierarchie berufen werden.
  • Christus erfüllt sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, sondern auch durch die Laien.
  • Laien sollen sich um eine tiefe Kenntnis der Wahrheit bemühen und inständig von Gott die Gabe der Weisheit erbitten, da sie möglicherweise durch Mangel an geweihten Amtsträgern gewisse Aufgaben stellvertretend erfüllen sollen.
  • Die Laien haben das Recht, die Hilfe des Wortes Gottes und der Sakramente von den geweihten Hirten reichlich zu empfangen.
  • Entsprechend dem Wissen und der Zuständigkeit haben Laien die Möglichkeit und bisweilen auch die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, kundzutun. Dies soll mit Wahrhaftigkeit, Mut, Klugheit und in Ehrfurcht gegenüber den geweihten Amtsträgern geschehen.
  • Laien sollen das, was die Hirten in Stellvertretung Christi festsetzen, in christlichem Gehorsam bereitwillig aufnehmen und für ihre Vorgesetzten beten.
  • Die geweihten Hirten sollen die Würde und Verantwortung der Laien anerkennen, deren klugen Rat nutzen und ihnen Freiraum zum Handeln lassen. Aus dem vertrauten Umgang zwischen Laien und Hirten kann man viel Gutes erwarten.
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Laien unter sich

Laien sind die nicht geweihten Christgläubigen, die durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig sind. Sie üben zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt aus.

Der Apostolat der Laien ist die Teilnahme an der Heilssendung der Kirche, wozu alle vom Herrn durch Taufe und Firmung bestellt sind. Die Liebe zu Gott wird durch die Sakramente, insbesondere die Eucharistie mitgeteilt und genährt. Besonders wertvoll ist das Apostolat der Laien im Ehe- und Familienleben, wo sie sich gegenseitig und den Kindern den Glauben und die Liebe Christi bezeugen.

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Laien in der Welt

Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen. Sie leben in der Welt, d.h. in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken, ihre Existenz ist gleichsam aus Verhältnissen des Familien- und Ehelebens zusammengewoben. An den Stellen, an denen sie sich befinden, sind sie von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben.

Wie Sauerteig, zur Heiligung der Welt von innen heraus, sind sie aufgerufen, durch das Zeugnis ihres Lebens die Hoffnung und Liebe Christi den anderen kund zu machen. Die Evangelisation bekommt eine eigentümliche Prägung von da her, dass sie in den gewöhnlichen Verhältnissen der Welt erfüllt wird.

  • Die Gläubigen müssen die innerste Natur der Schöpfung und ihre Hinordnung auf das Lob Gottes anerkennen. So soll die Welt vom Geist Christi erfüllt werden.
  • Die Laien sollen durch ihre Zuständigkeit in den profanen Bereichen einen gültigen Beitrag leisten, die geschaffenen Güter gemäß der Ordnung des Schöpfers zu verteilen, so dass Christus durch die Glieder der Kirche die ganze menschliche Gesellschaft mit seinem heilsamen Licht erleuchte.
  • Laien sollen die Verhältnisse der Welt, da wo Gewohnheiten zur Sünde aufreizen, zu heilen versuchen.
  • Die Gläubigen sollen zwischen den Rechten und Pflichten als Kirchen- und Gesellschaftsangehörige genau unterscheiden lernen, aber auch in weltlichen Angelegenheiten sollen sie sich vom christlichen Gewissen führen lassen.
  • Man muss anerkennen, dass die irdische Gesellschaft den weltlichen Bestrebungen zugeordnet ist, es wird aber mit Recht jene unselige Lehre verworfen, nach der eine Gesellschaft ohne Rücksicht auf die Religion errichtet werden soll.
  • Jeder Laie muss vor der Welt Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu sein. Was die Seele im Leibe ist, das sollen in der Welt die Christen sein.