Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche

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Vollkommenheit in der Liebe

Das Konzil erinnert an das Wort im Evangelium: „Seid ihr also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Mt 5,48)

Die Anhänger Christi sind von Gott nicht kraft ihrer Werke, sondern aufgrund seines gnädigen Ratschlusses berufen. Sie müssen daher die Heiligung, die sie empfangen haben, mit Gottes Gnade im Leben bewahren und zur vollen Entfaltung bringen. Die Gläubigen werden durch den Apostel gemahnt, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Geduld anzuziehen. (Kol 3,12) Da wir alle aber in vielem fehlen, bedürfen wir auch ständig der Barmherzigkeit Gottes und müssen um Vergebung unserer Schuld bitten.

Durch die Heiligkeit der Gläubigen wird auch in der irdischen Gesellschaft eine menschlichere Weise zu leben gefördert. Christen jeglichen Standes sind zur vollkommenen Liebe berufen, damit die Heiligkeit des Gottesvolkes zu überreicher Frucht anwächst, wie es die Kirchengeschichte durch das Leben so vieler Heiliger strahlend zeigt.

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Im Amt als Einheit mit dem Bischof

Die eine Heiligkeit wird von allen in den jeweils verschiedenen Aufgaben und Verhältnissen entfaltet. Vor allem müssen die Hirten der Herde Christi ihr Amt heilig, freudig, demütig und kraftvoll ausüben. Sie sind mit sakramentaler Gnade beschenkt, damit sie durch Gebet, Opfer und Verkündigung das vollkommene Amt der Hirtenliebe ausüben und nicht fürchten, ihr Leben für ihre Schafe zu geben.

Die Priester sollen ähnlich wie die Ordnung der Bischöfe, um die sie einen geistlichen Kranz bilden, durch Christus in täglicher Ausübung ihrer Pflicht in der Liebe zu Gott und den Nächsten wachsen. Sie sollen das Band der priesterlichen Gemeinschaft wahren und ein lebendiges Zeugnis für Gott geben, als eifrige Nachahmer jener Priester, die im Laufe der Jahrhunderte in oft demütigem und verborgenem Dienst ein hervorragendes Beispiel von Heiligkeit hinterließen. Priester sollen ihre Tätigkeit aus der Fülle der Kontemplation nähren und besonders die Diözesanpriester sollen bedenken, wie sehr die treue Verbundenheit und großmütige Zusammenarbeit mit dem Bischof zu ihrer Heiligkeit beiträgt.

Amtsträger der niederen Weihen, vor allem die Diakone, sowie Kleriker und Laien, die in besondere Aufgabenfelder berufen worden sind, müssen ihr Herz entsprechend ihrer Erwählung bilden, eifrig im Gebet, glühend in Liebe, denkend, was wahr, gerecht und guten Rufes ist.

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Heiligung aller Christgläubigen

Eheleute müssen sich in treuer Liebe das ganze Leben hindurch Halt und Stütze sein und die von Gott gerne empfangenen Kinder mit christlichen Lehren und Tugenden des Evangeliums erfüllen. Auch Witwen und Unverheiratete geben ein ähnliches Beispiel, indem auch sie zur Heiligkeit und Wirksamkeit in der Kirche beitragen.

Jene, die — oft schwer — arbeiten, müssen sich durch die menschliche Arbeit vollenden und sollen Christus, der auch handwerklich gearbeitet hat, in tätiger Liebe nachahmen. Die Armen, Schwachen, Kranken, Bedrückten und um der Gerechtigkeit willen Verfolgten sollen sich mit Christus besonders in seinem Leiden für das Heil der Welt vereinigt wissen.

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Evangelische Räte

Die Heiligkeit der Kirche wird in besonderer Weise durch die vielfachen Räte (Keuschheit, Armut, Gehorsam), die der Herr seinen Jüngern im Evangelium vorgelegt hat, gefördert. Darunter ragt die kostbare göttliche Gnadengabe hervor, die der Vater einigen gibt, die Jungfräulichkeit oder der Zölibat. Diese vollkommene Enthaltsamkeit wurde von der Kirche immer in besonders in Ehren gehalten.

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Nachfolge (Imitatio)

Die erste und notwendigste Gabe ist die Liebe, durch die wir Gott über alles und den Nächsten um Gottes Willen lieben. Damit die Liebe in der Seele wachsen kann, muss jeder Gläubige das Wort Gottes bereitwillig hören und an den Sakramenten, vor allem der Eucharistie, häufig teilnehmen sowie sich standhaft dem Gebet, der Selbstverleugnung, dem Bruderdienst und der Übung aller Tugenden widmen.

Da Jesus seine Liebe durch die Hingabe seines Lebens für uns bekundet hat, hat keiner eine größere Liebe, als wer sein Leben für ihn und die Brüder hingibt. (vgl. 1 Jo 3,16; Jo 15,13) Wenn auch wenigen das Martyrium zuteil wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen auf dem Weg des Kreuzes zu folgen.

Die Mutter Kirche freut sich darüber, dass sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die sich einem Menschen um Gottes Willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus unterwerfen, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten.