Der endzeitliche Charakter der pilgernden Kirche und ihre Einheit mit der himmlischen Kirche
Die Kirche wird erst in der himmlischen Herrlichkeit vollendet werden, wenn die Zeit der allgemeinen Wiederherstellung kommt. Dann wird mit dem Menschengeschlecht auch die ganze Welt vollkommen in Christus erneuert werden.
Christus hat die Kirche zum allumfassenden Heilssakrament gemacht. Zur Rechten des Vaters sitzend wirkt er beständig in der Welt, um die Menschen zur Kirche zu führen und durch sie enger mit sich zu verbinden.
Die Wiederherstellung, die uns verheißen ist, hat so in Christus bereits begonnen, nimmt ihren Fortgang in der Sendung des Heiligen Geistes und geht durch ihn weiter in der Kirche, in der wir durch den Glauben auch über den Sinn unseres zeitlichen Lebens belehrt werden, bis wir das vom Vater uns in dieser Welt übertragene Werk mit der Hoffnung auf die künftigen Güter zu Ende führen und unser Heil wirken.
Das Ende der Zeiten ist also bereits zu uns gekommen. Mit Christus in der Kirche verbunden und mit dem Heiligen Geist gezeichnet, „der das Angeld unserer Erbschaft ist" (Eph 1,14) — „Solange wir im Leibe sind, pilgern wir ferne vom Herrn" (2 Kor 5,6) und im Besitz der Erstlinge des Geistes seufzen wir in uns (vgl. Röm 8,23) und wünschen mit Christus zu sein.
Da wir aber weder Tag noch Stunde wissen, so müssen wir nach der Mahnung des Herrn standhaft wachen, damit wir am Ende unseres einmaligen Erdenlebens (vgl. Hebr 9,27) mit ihm zur Hochzeit einzutreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen (vgl. Mt 25,31-46) und nicht wie böse und faule Knechte (vgl. Mt 25,26) ins ewige Feuer weichen müssen (vgl. Mt 25,41).
Wir halten also dafür, dass „die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird". (Röm 8,18; vgl. 2 Tim 2,11-12)
Bis der Herr kommt, pilgern die einen von seinen Jüngern auf Erden, die anderen sind aus diesem Leben geschieden und werden gereinigt, wieder andere sind verherrlicht und schauen „klar den dreieinen Gott selbst, wie er ist". (Konzil v. Florenz, Denz. 693)
Die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern, die im Frieden Christi entschlafen sind, hört keineswegs auf, wird vielmehr nach dem beständigen Glauben der Kirche gestärkt durch die Mitteilung geistlicher Güter. Dadurch nämlich, dass die Seligen inniger mit Christus vereint sind, festigen sie die ganze Kirche stärker in der Heiligkeit und tragen auf vielfältige Weise zum weiteren Aufbau der Kirche bei.
Die in die Heimat Eingegangenen hören nicht auf, für uns Fürbitte einzulegen, so dass unsere Schwachheit in ihrer brüderlichen Sorge reichste Hilfe findet. Aus der tiefen Anerkennung dieser Gemeinschaft hat die Kirche seit den Anfängen der christlichen Religion das Gedächtnis der Verstorbenen mit großer Ehrfurcht gepflegt und auch für sie Fürbitten dargebracht, weil es ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden. (vgl. 2 Makk 12,45)
Die Kirche hat immer geglaubt, dass die Apostel und Märtyrer in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden sind, und hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engeln in besonderer Andacht verehrt. Wenn wir nämlich auf das Leben der treuen Nachfolger Christi schauen, erhalten wir neuen Antrieb und zugleich wird uns ein verlässlicher Weg gewiesen, wie wir, jeder nach seinem Stand und in seinen Lebensverhältnissen, zur vollkommenen Vereinigung mit Christus gelangen können.
Im Leben derer, die, zwar Schicksalsgenossen unserer Menschlichkeit, dennoch vollkommener dem Bilde Christi gleichgestaltet werden, zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz.
So ziemt es sich, die Freunde und Miterben Christi, unsere besonderen Wohltäter und Brüder zu lieben und Gott für sie zu danken. Jedes echte Zeugnis unserer Liebe zu den Heiligen zielt seiner Natur nach letztlich auf Christus, der die Krone aller Heiligen ist.
Auf vornehmste Weise wird unsere Einheit mit der himmlischen Kirche in der heiligen Liturgie verwirklicht, wenn wir uns in verehrendem Gedenken vereinigen, vor allem mit Maria der glorreichen, allzeit reinen Jungfrau, aber auch mit dem heiligen Joseph sowie den Aposteln, Märtyrern und allen Heiligen.
Das Konzil legt in Bezug auf die Heiligen sowie die Verstorbenen im Fegefeuer die diesbezüglichen Beschlüsse des II. Konzils von Nicaea, der Konzilien von Florenz sowie von Trient vor. Zugleich mahnt es die Hirten, die vielleicht hier und dort eingeschlichenen Mißbräuche, Übertreibungen und Mängel zu beheben.


