Die hierarchische Verfassung der Kirche, insbesondere das Bischofsamt

Christus bestimmte zwölf Apostel zur Verkündigung des Reiches Gottes. Er setzte sie als eine Art Kollegium ein, an dessen Spitze er den aus ihrer Mitte erwählten Petrus stellte.

Da die Verkündigung des Evangeliums bis zum Ende der Welt andauern soll, trugen die Apostel Sorge dafür, dass die Sendung auch nach ihrem Tod weiter gehe: den Nachgeborenen wurden Dienstämter aufgetragen, unter denen das Bischofsamt einen hervorragenden Platz einnahm.

Die Bischöfe stehen in Gemeinschaft mit ihren Helfern, den Priestern und Diakonen der Herde als Hirten vor. Wie das Petrusamt fortdauern soll, so sollen auch die Bischofsämter auf immerdar ausgeübt werden. Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus.

Grau1
Bischofsweihe und Kollegium
Durch die Bischofsweihe wird die Fülle des Weihesakramentes übertragen, das Amt der Heiligung sowie die Ämter der Lehre und Leitung, die nur in der hierarchischen Gemeinschaft ausgeübt werden können. Bischöfe dürfen durch das Weihesakrament weitere Bischöfe weihen.

Insofern das Bischofskollegium aus vielen zusammengesetzt ist, stellt es die Vielfalt des Gottesvolkes dar, insofern es unter einem Haupt versammelt ist, die Einheit der Herde Christi.
Grau2
Verhältnis zum Papst
Bischöfe können zur gemeinsamen Regelung der wichtigeren Angelegenheiten zu Konzilien zusammentreten. Das Konzil der Bischöfe hat nur Autorität, wenn das Kollegium in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, als seinem Haupt und unbeschadet dessen primatialer Gewalt über alle Hirten und Gläubigen, verstanden wird.

Der Bischof von Rom hat kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche höchste und universale Gewalt über die Kirche und kann diese immer frei ausüben. Die Ordnung der Bischöfe ist gemeinsam mit ihrem Haupt, dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt Träger der höchsten und vollen Gewalt über die Kirche. Diese Gewalt kann nur unter Zustimmung des Papstes ausgeübt werden.

Höchste Gewalt über die Kirche besitzen die Bischöfe im ökumenischen Konzil, welches durch den Papst bestätigt oder zumindest angenommen worden ist. Er hat das Vorrecht, ein derartiges Konzil einzuberufen, den Vorsitz zu führen und es zu bestätigen.
Grau3
Lehramt und Unfehlbarkeit
Unter den hauptsächlichen Ämtern des Bischofs hat die Verkündigung einen hervorragenden Platz, durch die sie Irrtümer von ihrer Herde fernhalten. Gläubige müssen mit einem im Namen Christi vorgetragenen Spruch ihres Bischofs in Glaubens- und Sittensachen übereinkommen. Besonders gilt dies für den Bischof von Rom, auch wenn dieser nicht kraft höchster Lehrautorität spricht.

Bischöfe, auch wenn sie den Vorzug der Unfehlbarkeit nicht besitzen, sprechen verbindlich, wenn sie in Wahrung des Gemeinschaftsverbandes untereinander und mit dem Papst, authentisch in Glaubens- und Sittensachen lehren und so eine bestimmte Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen; insbesondere gilt dies auf Konzilen.

Dem Papst ist diese Unfehlbarkeit kraft des Hl. Geistes als Einzelnem gegeben. Was er endgültig verkündet, bedarf keiner weiteren Bestätigung durch andere und duldet keine Berufung auf ein anderes Urteil. Unfehlbare Sätze werden von ihnen im Licht des Geistes der Wahrheit rein bewahrt und getreu ausgelegt; eine neue öffentliche Offenbarung empfangen sie jedoch nicht.
Grau4
Aufgaben des Bischofs in seiner Teilkirche
Wie der Papst der gesamten Kirche vorsteht, stehen die Bischöfe ihren Teilkirchen vor. Bischöfe üben ihr Amt nicht über anderen Bischöfen unterstellte Teilkirchen aus, ebenso nicht über die Gesamtkirche; indem sie ihre eigene Kirche als Teil der Gesamtkirche leiten, tragen sie zum Wohl des ganzen mystischen Leibes bei.

Der Bischof ist Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums, besonders in der Eucharistie. Er ordnet die fruchtbare Verwaltung der Sakramente und steht ihnen vor. Zur Leitung gehört auch das Erlassen von Gesetzen, Fällen von Urteilen sowie alles, was zur Ordnung des Gottesdienstes gehört; dabei sind sie eigenständige Leiter, keine Stellvertreter des Bischofs in Rom, da sie ihre eigene Gewalt innehaben. Gemäß des Bildes vom guten Hirten sollen sie jedoch dienen und sich nicht bedienen lassen.

Als Mensch selber mit Schwachheit behaftet, soll der Bischof mit denen leiden, die von Unwissenheit und Irrtum behaftet sind. Er soll sie hören, umsorgen, zur Mitarbeit mahnen und für sie beten, da er für ihre Seelen Rechenschaft ablegen muss. Die ihnen Anempfohlenen müssen sie durch das Beispiel ihres Lebenswandels voranbringen.
Grau5
Mission und Bischofskonferenzen
Die Bischöfe sollen sich untereinander in der Verbreitung des Evangeliums unterstützen und den Missionen Arbeiter und materielle Hilfen vermitteln. Das Amt der Bischöfe ist ein Amt des Dienens. Falls der Papst der Sendung eines Bischofs die Zustimmung verweigert, kann dieser nicht zur Amtsausübung zugelassen werden.

Die einheitliche göttliche Verfassung der Gesamtkirche sowie das lokale Erbe sollen als Einheit und Vielfalt in der Kirche zum Tragen kommen, wobei die Bischofskonferenzen vielfältige und fruchtbare Hilfe leisten sollen.
Grau6
Priester
Priester sind mit den Bischöfen in priesterlicher Würde durch das Weihesakrament verbunden, hängen in der Ausübung ihrer Gewalt jedoch von den Bischöfen ab.
Sie haben Anteil am Priesteramt Christi und üben ihr Amt am meisten in der Eucharistie aus, wobei sie in Person Christi handeln
Sie vergegenwärtigen das Meßopfer Christi bis zu dessen Wiederkunft
Sie richten Büßende und Kranke auf und versöhnen sie
Sie führen die Gemeinde betend zu Christus
Sie glauben an das Evangelium, lehren es und leben nach ihm
Als sorgsame Mitarbeiter bilden sie eine Einheit mit ihren Bischöfen als Presbyterium
Sie machen den Bischof in den Gemeinden gegenwärtig und leiten unter seiner Leitung den ihnen zugewiesenen Anteil der Herde
Sie sollen ihren Bischof als Vater anerkennen und ihm ehrfürchtig gehorchen; der Bischof soll sie als Söhne und Freunde ansehen
Kraft Weihe und Sendung sind alle Priester in enger Brüderlichkeit verbunden und sollen sich gegenseitig geistig, materiell, pastoral und persönlich unterstützen
Die Priester sollen unter der Leitung von Papst und Bischöfen Spaltung der Einheit der Familie Gottes beseitigen
Grau7
Diakone
Diakone stehen in der Hierarchie eine Stufe unter den Priestern, da sie die Handauflegung nicht zum Priestertum sondern zur Dienstleistung empfangen. Je nach Weisung dürfen Diakone:
die Taufe spenden
die Eucharistie verwahren und austeilen
der Eheschließung im Namen der Kirche assistieren und sie segnen
den Sterbenden die Wegzehrung überbringen
vor den Gläubigen die Schrift lesen
das Volk lehren und ermahnen
dem Gottesdienst und dem Gebet der Gläubigen vorstehen
Sakramentalien spenden
den Beerdigungsritus leiten
Die Bischofskonferenzen können mit Billigung des Papstes das Diakonat als eigene beständige hierarchische Stufe wiederherstellen. Mit Zustimmung des Bischofs von Rom wird der Diakonat auch verheirateten Männern reiferen Alters erteilt werden können, ferner jungen Männern, für die das Gesetz des Zölibats jedoch in Kraft bleiben muß.