Das Mysterium der Kirche

In der allumfassenden Kirche werden alle Gerechten von Abel bis zu den letzten Erwählten versammelt sein. Diese sind (vgl. Röm 8,29) vor aller Zeit vom Vater vorherbestimmt und ausgewählt worden, dem Bild Christi (dem Erstgeborenen) gleich zu werden und so in der heiligen Kirche zusammengerufen zu werden.

Rot1
Stiftung der Kirche
Kirche bezeichnet das Reich der Himmel, welches von Christus auf Erden begründet wurde. Sie ist durch die Kraft Gottes in der Welt sichtbar, und zwar im Mysterium, welches zeichenhaft gegenwärtig ist, durch das Blut und Wasser aus der Seite des gekreuzigten Christus.

Darum vollzieht sich das Werk unserer Erlösung, sooft das Kreuzesopfer auf dem Altar gefeiert wird, wobei gleichzeitig das Sakrament des eucharistischen Brotes die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden (den mystischen Leib Christi), darstellt und verwirklicht.
Rot2
Vollendung des Werkes
An Pfingsten wurde der Heilige Geist gesandt, die Kirche zu heiligen und den Gläubigen so den Zugang zum Vater zu ermöglichen. Durch die Kraft des Evangeliums erneuert er die Kirche immerfort und vereint sie mit Christus. Die Kirche ist somit das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk.

Der Anfang der Kirche entspricht dem Anfang des Reiches Gottes, welches im Alten Testament angekündigt wurde; es leuchtet im Wort, im Werk und in der Gegenwart Christi den Menschen auf. Wer vom Reich Gottes glaubend hört, nimmt das Wort des Herrn einem Samen entsprechend in sich auf, der in ihm bis zur Ernte eigenständig heranreift. Auch die Wunder sind Zeichen des schon angebrochenen Reich Gottes auf Erden.

Die Kirche empfängt ihre Gaben und Sendung durch den Geist, der von Christus, dem auferstandenen "Priester auf immerdar" (vgl. Apg 2,36; Hebr 5,6; 7,17-21) auf die Jünger ausgegossen wurde. Sie stellt Keim und Anfang des Reich Gottes auf Erden dar und streckt sich verlangend nach dem vollendeten Reich, in dem sie mit ihrem König (Christus) vereint zu werden hofft.
Rot3
Das Wesen der Kirche in Bildern
  • Kirche ist Schafstall, dessen einzige und notwendige Tür Christus ist
  • Kirche ist Herde, als deren Hirte sich Gott schon vorher selbst verkündet hat
  • Kirche ist Pflanzung
    • ein Ölbaum auf dem Acker, dessen Wurzel die Patriarchen waren und in dem Versöhnung von Juden und Heiden geschieht
    • als auserlesener Weingarten vom himmlischen Ackerherren gepflanzt, der wahre Weinstock aber ist Christus
  • Kirche ist Bauwerk
    • errichtet auf dem Eckstein, der von den Bauleuten verworfen wurde, nennt man sie
      • Haus Gottes, in dem die Familie Gottes wohnt
      • Wohnstatt Gottes im Geiste
      • Zelt Gottes unter den Menschen
    • sie ist heiliger Tempel, verglichen mit dem steinernen Tempel der Juden sowie dem neuen Jerusalem, in dem wir als lebendige Steine eingefügt werden; sie wird (Apk 21,1f) als Braut aus dem Himmel herabsteigen
  • Kirche ist „das Jerusalem droben"
  • Kirche ist „Unsere Mutter"
  • Kirche ist die makellose Braut des makellosen Lammes, die von Christus geliebt und in unauflöslichem Bund angenommen ist, die sich aber solange sie hier auf Erden in Pilgerschaft fern vom Herrn lebt in der Fremde weiß und sich nach der Vereinigung mit dem Bräutigam sehnt
Rot4
Ein Leib und viele Glieder
Durch Tod und Auferstehung hat Christus den Menschen zu einem neuen Geschöpf umgestaltet, ihn durch die Mitteilung seines Geistes quasi zu seinem Leib gemacht. Christi Leben strömt in diesem Leib auf die Gläubigen über, die durch die Sakramente vereint werden: gleichgeschaltet durch die Taufe, zur Gemeinschaft mit ihm und untereinander erhoben durch die Eucharistie.

Christus ist das Haupt des Leibes (der die Kirche ist), die Gläubigen sind die Glieder. Der Geist eint den Leib und verteilt die Gaben entsprechend der Erfordernisse zum Nutzen der Kirche, wobei die höchste Gabe die der Apostel (Bischöfe) ist, noch vor den Charismatikern. Der Geist bringt zudem die Liebe der Gläubigen untereinander hervor, so dass alle leiden, wenn ein Glied leidet und sich alle freuen wenn ein Glied Ehre empfängt.

Solange wir auf Erden in Pilgerschaft sind, werden wir in Christi Leiden hineingenommen. Christus verfügt seinem Leib Dienstgaben, Kraft derer wir uns gegenseitig Dienste leisten und in Wahrheit und Liebe auf das Haupt hin wachsen. Der Geist, der in Haupt und Gliedern wohnt, ist das Lebensprinzip des Leibes, analog der Seele im menschlichen Leib; Christus liebt seine Braut, die Kirche, darum wie seinen eigenen Leib und die Kirche ist ihrem Haupte Untertan.
Rot5
Kirche in der Welt
Christus hat die Kirche hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfaßt. Sie wird in zwei Aspekten wahrgenommen:
  • Sichtbare Versammlung, ausgestattet mit hierarchischen Organen
  • Geheimnisvoller Leib Christi als geistliche Gemeinschaft

Beides ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche bekennen. Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri (dessen Aufgabe es ist, sie zu weiden) und von den Bischöfen (die sie leiten und verbreiten sollen) in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.

Außerhalb der Kirche existierende Elemente der Heiligung und der Wahrheit sind auch innerhalb der Kirche zu finden — sie sind der Kirche eigene Gaben, die auf die katholische Einheit hindrängen.

Dem Beispiel Christi folgend soll die Kirche ein Beispiel durch Demut und Selbstverleugnung geben und keine irdische Herrlichkeit suchen. Besonders soll sie sich den Armen und Leidenden annehmen. Im Gegensatz zum schuldlosen Christus umfaßt die Kirche immer auch Sünder in ihren Reihen. Sie ist somit heilig und zugleich der Reinigung bedürftig, weshalb sie stets den Weg der Buße und Erneuerung zu gehen hat.

So schreitet sie auf dem Pilgerweg im Spannungsfeld zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes voran, aus der Kraft des Auferstandenen das Evangelium zu verkünden.