Die Ordensleute
Die evangelischen Räte der Gott geweihten Keuschheit, der Armut und des Gehorsams sind in Wort und Beispiel des Herrn begründet und von den Aposteln und den Vätern wie auch den Lehrern der Kirche empfohlen. Durch sie gibt sich der Christgläubige dem über alles geliebten Gott vollständig zu eigen, so daß er selbst durch einen neuen und besonderen Titel auf Gottes Dienst und Ehre hingeordnet wird.
Daraus ergibt sich die Pflicht, nach Kräften und entsprechend der Gestalt der eigenen Berufung, durch Gebet oder auch tätiges Wirken sich um die Einwurzelung und Festigung des Reiches Christi in den Seelen und seine weltweite Ausbreitung zu bemühen.
Auch die Lebensform, die der Sohn Gottes annahm, als er in die Welt eintrat, ahmt der Ordensstand ausdrücklich nach und bringt sie in der Kirche ständig zur Darstellung. Er befreit seine Glieder zudem mehr von den irdischen Sorgen und bezeugt damit das neue und ewige, in der Erlösung Christi erworbene Leben, auf welches das Volk Gottes zugeht.
Der Ordensstand ist in bezug auf die göttliche, hierarchische Verfassung der Kirche kein Zwischenstand zwischen dem Kleriker und dem Laien, vielmehr werden aus beiden Gruppen Christgläubige in ihn berufen.
Die Kirche nimmt Ordensregeln entgegen, läßt sie weiter ordnen und erkennt sie als authentisch an. Außerdem wacht sie mit ihrer Autorität schützend über die errichteten Institute. Ordensinstitute können mit ihren Mitgliedern zum allgemeinen Nutzen direkt dem Primat des Papstes unterstellt werden, wodurch sie der Jurisdiktion der Ortsordinarien entzogen sind. Dessen ungeachtet ist der bischöfliche Gehorsam gemäß der kanonischen Gesetze.
Die Kirche erhebt den Ordensberuf zu einem Gott geweihten Stand, nimmt die Gelübde der Gelobenden entgegen, erbittet ihnen durch ihr öffentliches Gebet Hilfe und Gnade von Gott, empfiehlt sie Gott, erteilt ihnen eine geistliche Segnung und vereint ihre Hingabe mit dem eucharistischen Opfer.
Ordensleute sollen sorgfältig darauf achten, daß durch sie die Kirche von Tag zu Tag mehr den Gläubigen wie den Ungläubigen Christus sichtbar mache.
Alle sollen einsehen, daß das Gelöbnis der evangelischen Räte, wenn es auch den Verzicht auf hochzuschätzende Werte mit sich bringt, dennoch der wahren Entfaltung der menschlichen Person nicht entgegensteht, sondern aus ihrem Wesen heraus sie aufs höchste fördert. Es darf keiner meinen, die Ordensleute würden durch ihre Weihe den Menschen fremd oder für die irdische Gesellschaft nutzlos.
Das Konzil bestätigt und lobt die Männer und Frauen, Brüder und Schwestern, die in den Klöstern oder Schulen und Krankenhäusern oder in den Missionen in standhafter und demütiger Treue zu der genannten Weihe die Braut Christi zieren und allen Menschen die verschiedensten großmütigen Dienste leisten.



