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„Roh“ und „wild“, so könnte man den Eindruck bekommen, scheinen in der deutschen Bevölkerung wieder gesellschaftsfähig zu werden. Wie man darauf kommen kann?

Oliver Pocher, kein Sympathieträger – im Gegenteil - wurde angegriffen. Der auf TikTok bekannte „Influencer“ „Omar“ - alias „Fat Comedy“ – hat sich Pocher „vorgenommen“: Am Rande eines Boxkampfes bahnte „Fat“ sich einen Weg am Ring – immer schön von dienstbeflissenen Begleitern gefilmt – zu Pocher. „Fat“ verpasste dem nichts ahnenden und das kommende Unheil nicht mal sehenden Pocher eine Ohrfeige, die ihn beinahe aus den Socken, immerhin aber zumindest vom Stuhl haute.

Die breite Zustimmung ist erschreckend

Man fragt sich: „Was soll das? Was ist die ,Begründung‘ für so eine animalische Aktivität?“ Prompt bekommt man sie medial geliefert: „Fat“ brezelt sich als „Kämpfer für Gerechtigkeit“ auf und behauptet, er habe Pocher dessen Einsatz für das „Model“ Nika Irani, bekannt in deutschprachigen „Sozialen Medien“, „heimzahlen wollen“. Diese hatte „Fats“ Freund – noch so ein „Promi“ – den Rapper „Samara“ zu Unrecht beschuldigt, wie ein Gericht meint, sie vergewaltigt zu haben.

Ist das ein tragfähiger Grund, vor laufender Kamera nach mehr als einem Jahr zu einem nichtsahnenden Menschen zu tigern und ohne Vorwarnung diesen einer brutalen Attacke auszusetzen? Nun, die Reaktionen in den Sozialen Medien zeigen, dass die Zustimmung zu dieser archaischen und primitiven Tat hoch zu sein scheint. Begründung: Das „Arschloch Pocher“ habe „es verdient“. Der habe schon so viele Menschen verbal „fertig gemacht“, dass ihm so eine Trachtprügel „mal ganz gut“ tue.

Kurz darauf ein Ausraster

Als ob das nicht genug Gewalt war, kam später die Meldung, dass während der Oscar-Verleihung, Schauspieler Will Smith dem Kollegen Chris Rock, auf offener Bühne eine Watschen verpasst habe. Hintergrund: Rock hatte sich über eine Erkrankung (Haarausfall) der Ehefrau von Smith lustig gemacht. Auch hier: Viel Zustimmung zur Tat.

Ich kann das nicht. Unsere Eltern haben uns so erzogen, dass körperliche Gewalt außer in der (Selbst)Verteidigung, im Krieg, durch Soldaten oder die Polizei, niemals eine zulässige Reaktion ist. Grundlage dieser absoluten Ablehnung von Gewalt: Das christliche Bild des Menschen als gottesebenbildliches Geschöpf mit einer unverhandelbaren Würde. Dazu gehören die Nächstenliebe, die Feindesliebe und die körperliche sowie seelische Unversehrtheit.

Affekt entschuldigt Kontrollverlust nicht

Smith gestehe ich noch Affekt zu, der aber keinerlei Entschuldigung seiner unreifen Handlung darstellt, lediglich eine „Erklärung“. „Fat“ aber hat allem Anschein nach eine PR-Show abgezogen. Wie dem auch sei: Erschreckend an diesen Vorkommnissen ist die hohe Zustimmung, die dieser Ausbruch unkultiviert-archaisch roher Gewalt in unserer Gesellschaft hervorruft.

Hier ist der Zivilisationsverlust unserer jüdisch-christlichen Kultur des Abendlandes zu beobachten. Das ist erschreckend. Wenn der Mensch nicht mehr als Mitmensch gesehen wird, dann zeigt das, dass wir zunehmend in einer Gesellschaft leben, die den Mitmenschen selbstgemachte Wertmaßstäbe anlegt, sie somit der menschlichen Willkür unterwirft. Wenn keinerlei Werte mehr unverhandelbar bestehen, wird es düster.

Gewalt muss geächtet bleiben

Wir können das exemplarisch an der Selektion der Menschen während der Seuche beobachten: Hier begibt sich die Politik auf gefährliches Terrain, wenn sie Menschen als höherwertig darstellt, die bestimmten Forderungen Folge leisten, andere Menschen aber „abwertet“, die nicht so Widerstandlos zu beherrschen sind. Auch in der Debatte um die vorgeburtliche Kindstötung oder die Euthanasie an Menschen, die für die „Gesellschaft“ – mithin die steuergewinnorientierte Politik – keinen „Wert“ (mehr) haben oder erwirtschaften wird diese Wertzumessung nach Nützlichkeit oder Wohlverhalten sichtbar. Alles Angriffe auf die Menschenwürde.

Wehren wir den Anfängen! Kommen wir dahin, dass Gewalt bis auf die oben erwähnten extremen Ausnahmesituationen keinerlei erstrebenswerte oder zu goutierende Handlungsoption sein darf. Sonst sieht es wieder schlecht aus mit der „Menschlichkeit“ in unserer Welt.

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Kommentare (5)
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Thod Admin
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Volle Zustimmung. (Allerdings finde ich den Bezug nicht, wo du von "oben erwähnten extremen Ausnahmesituationen" sprichst).

Pocher scheint zudem wohl auch behauptet zu haben, bleibende Schäden davonzutragen. Ich hoffe hier doch auf eine Justiz...
Volle Zustimmung. (Allerdings finde ich den Bezug nicht, wo du von "oben erwähnten extremen Ausnahmesituationen" sprichst).

Pocher scheint zudem wohl auch behauptet zu haben, bleibende Schäden davonzutragen. Ich hoffe hier doch auf eine Justiz mit Signalwirkung.
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Thod
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"... Unsere Eltern haben uns so erzogen, dass körperliche Gewalt außer in der (Selbst)Verteidigung, im Krieg, durch Soldaten oder die Polizei, ..."

Da ist der Bezug und da sind die extremen Ausnahmesituationen.
martin.wind
nielsd Admin
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Zum Thema "Verrohung":

Eine genauere Ursachenforschung, wodurch Gewalt zunehmend stärker wieder gesellschaftsfähig geworden sein mag, halte ich für wichtig.
Der "ideelle Part" im Sinne des verminderten Einflusses entsprechender...
Zum Thema "Verrohung":

Eine genauere Ursachenforschung, wodurch Gewalt zunehmend stärker wieder gesellschaftsfähig geworden sein mag, halte ich für wichtig.
Der "ideelle Part" im Sinne des verminderten Einflusses entsprechender menschenfreundlicher, gewaltverneinender Wertvorstellungen (Menschenwürde, Feindesliebe etc.) ist da meines Erachtens nur ein Aspekt.

Zusätzlich würde ich sagen, dass Aggressionen, die insbesondere in Konfliktsituationen natürlicherweise auftreten (aber nicht notwendigerweise ausagiert werden)

- Von interessierten Gruppen geschürt/instrumentalisiert werden (Sündenböcke / Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen, in letzter Zeit insbesondere Russen, Ungeimpfte; im Grunde aber auch eine Vielzahl weiterer Gruppen)

- Möglichkeiten des ungefährlichen "Abreagierens" bzw der (Selbst)Befreiung von Aggressionen zum Teil rückläufig waren / teils schwieriger geworden sind (bspw. weniger Sportangebote, größere Schwierigkeiten für viele Menschen, durch Kontakt zu Anderen "Herunterzukommen", etc)

- Zusätzliche Reizung/Frustration durch strukturelle und tatsächliche staatliche Gewaltausübung ("Gewalt erzeugt Gegengewalt")

Diese Punkte sollen nicht dazu dienen, Gewalttaten zu entschuldigen oder rechtfertigen. Ich halte es jedoch für angemessen, Gewaltausbrüche / "Verrohung" nicht alleine moralisch zu betrachten.
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nielsd
Thod Admin     nielsd
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Immer diese Differenzierungen, wenn man eigentlich nur platt draufhauen möchte ;-)

Aber Du hast ja Recht. Es gibt viele Punkte, die da zusammenkommen. Meist aber hat der Baum einen Stamm - und ich denke, der ist schon im Christentum zu sehen....
Immer diese Differenzierungen, wenn man eigentlich nur platt draufhauen möchte ;-)

Aber Du hast ja Recht. Es gibt viele Punkte, die da zusammenkommen. Meist aber hat der Baum einen Stamm - und ich denke, der ist schon im Christentum zu sehen. Feindesliebe, das spielt den Sündenböcken und der Diskriminierung ja schon entgegen. Auch der Abbau von Möglichkeiten zur Abreagierung ist in letzter Zeit ja der Corona-Religion geschuldet und auch vorher schon einem Effektivitätswahn, dem alles, was nicht direkt Profit macht, zum Opfer fiel. Christlich ist das nicht. Genauso wenig wie die staatliche Gewalt.
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Thod
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Alles hat seine Zeit. Darüber hinaus ist die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen begrenzt. Ein Text mit rund 4000 - 5000 Zeichen ist ungefähr die Menge an "Stoff", die man heutzutage einem durchschnittlichen Leser zumuten kann und sollte.

Platt...
Alles hat seine Zeit. Darüber hinaus ist die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen begrenzt. Ein Text mit rund 4000 - 5000 Zeichen ist ungefähr die Menge an "Stoff", die man heutzutage einem durchschnittlichen Leser zumuten kann und sollte.

Platt ist daran wenig bis nichts. Es ist eben so, dass man zwar zwei bis drei Aspekte aufzeigen könnte, sie aber nicht erschöpfend ausführen kann. Dann bleibt vieles unbegründet in der Luft hängen. Daher lieber nur einen Aspekt ausführen, den aber gründlich. Da wird dann das differenzieren selbstverständlich schwer. Ich verstehe die Einwände, sie sind interessante Ergänzungen, die aber gerne in eigene Betrachtungen münden sollten.

Mein Thema hier ist eben die ethische Grundlage der Menschenwürde, die eklatant verletzt wird.
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martin.wind
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