Ein Vater erzählte uns:
Eine angesehene, edle Frau reiste einst zur Verehrung der heiligen Orte, und als sie nach Caesarea kam, wollte sie dort ausruhen und bat den Bischof, er solle ihr eine Jungfrau senden, die sie in der Frucht Gottes unterweise.
Der Bischof suchte ihr eine demütige Jungfrau aus und schickte sie zu ihr.
Nach einiger Zeit, als ihr der Bischof einmal begegnete, fragte er sie: 'Wie führt sich die Jungfrau, die ich dir angewiesen habe?'
Die Frau antwortete: 'Sie ist sicher gut, doch nützt sie meiner Seele nicht gerade viel. Denn in ihrer Demut lässt sie mich in allem meinen eigenen Willen tun.'
Da gab ihr der Bischof eine rauere, die sie bei jeder Gelegenheit schimpfte, und sie eine reiche Närrin und ähnliches schalt.
Als der Bischof nach einiger Zeit wieder nachfragte, wie sie nun mit dieser Jungfrau zufrieden sei, da antwortete sie:
'Wirklich, die nützt meiner Seele.' Und durch diese erlangte sie eine große Sanftmut.


Die Wüstenväter

Die kontemplative monastische Tradition des Christentums geht auf Einsiedler des 3. Jhdt. nach Christus zurück, die in der ägyptischen und syrischen Wüste versuchten, ein konsequentes Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die plastischen Bilder ihrer Erzählungen ergreifen oft derart, dass man noch heute in Versuchung geraten kann, ihnen in die Wüste zu folgen...

(Die hier abgebildeten Texte stellen eine kleine Auswahl dar, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Zudem sei darauf hingewiesen, dass einzelne Texte nicht unbedingt der dogmatischen Kichenlehre entsprechen.)


PaoloUccello

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