Ein alter Mann lebte in der Wüste und diente Gott schon seit vielen Jahren und sagte:
„Herr, lass es mich wissen, wenn ich dir eine Freude gemacht habe.“
Er sah einen Engel der sagte zu ihm:
„Du bist noch nicht so geworden, wie der Gärtner in der Stadt.“
Der alte Mann wunderte sich und sagte:
„Ich werde in die Stadt gehen und nach beidem sehen: ihm und was es ist, was er tut, das all meine Arbeit und Mühe dieser Jahre übertrifft.“
So ging er in die Stadt und fragte den Gärtner über seinen Lebensweg. Als sie am Abend fertig waren mit Essen, hört der alte Mann Leute in der Straße singen, denn die Zelle des Gärtners war an einem öffentlichen Platz. Darum sagte der alte Mann zu ihm:
 „Bruder, ich möchte gottgefällig leben wie du. Wie kannst du an diesem Ort verweilen, und nicht gestört werden, wenn du die Leute diese Lieder singen hörst?“
Der Mann sagte:
„Ich sage dir, Vater, ich habe mich niemals gestört gefühlt oder geärgert.“
Als er das hörte, sagte der alte Mann:
„Was denkst du denn in deinem Herzen, wenn du diese Lieder hörst?“
Und er antwortete: „Dass sie alle in das Königreich eingehen werden.“
Als er das hörte, wunderte sich der alte Mann und sagte:
„Das ist die Praktik, welche meine Mühe all dieser Jahre übertrifft.“


Die Wüstenväter

Die kontemplative monastische Tradition des Christentums geht auf Einsiedler des 3. Jhdt. nach Christus zurück, die in der ägyptischen und syrischen Wüste versuchten, ein konsequentes Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die plastischen Bilder ihrer Erzählungen ergreifen oft derart, dass man noch heute in Versuchung geraten kann, ihnen in die Wüste zu folgen...

(Die hier abgebildeten Texte stellen eine kleine Auswahl dar, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Zudem sei darauf hingewiesen, dass einzelne Texte nicht unbedingt der dogmatischen Kichenlehre entsprechen.)


PaoloUccello

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