Man sagte, Vater Sylvanus hätte einen Schüler in Scetis mit Namen Mark, welcher die Tugend des Gehorsams in großem Ausmaße besaß.
 Er war Abschreiber von alten Schriften und der alte Mann liebte ihn wegen seines Gehorsams. Er hatte elf andere Schüler, welche sich gekränkt fühlten, da er mehr geliebt war als sie. Als die alten Männer aus der Nähe hörten, dass er Mark mehr liebte als die anderen, namen sie es ihm Übel. Eines Tages besuchten sie ihn und Vater Sylvanus, der seine Zelle dafür verlassen hatte, nahm sie mit sich und klopfte an die Türe eines jeden der Schüler und sagte:
„Bruder, komm heraus, ich habe Arbeit für dich.“ 
Aber nicht einer von ihnen erschien sofort. Dann kam er zu Marks Zelle, klopfte und sagte: „Mark“.
Und sobald Mark die Stimme des alten Mannes von außen her hörte kam er heraus und der alte Mann schickte ihn auf einen Botengang. Dann sagte Vater Sylvanus zu den alten Männern:
„Wo sind die anderen Brüder?“
Er ging in Marks Zelle hinein und fand dort das Buch in welches er soeben geschrieben hatte. Er war dort gerade bei dem Buchstaben O; und als er des alten Mannes Stimme hörte, war er mit dem Schriftzug des O noch nicht fertig. Da sagten die alten Männer:
„Wahrlich, Vater, auch wir lieben den einen, den du liebst; denn Gott liebt ihn auch.


Die Wüstenväter

Die kontemplative monastische Tradition des Christentums geht auf Einsiedler des 3. Jhdt. nach Christus zurück, die in der ägyptischen und syrischen Wüste versuchten, ein konsequentes Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die plastischen Bilder ihrer Erzählungen ergreifen oft derart, dass man noch heute in Versuchung geraten kann, ihnen in die Wüste zu folgen...

(Die hier abgebildeten Texte stellen eine kleine Auswahl dar, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Zudem sei darauf hingewiesen, dass einzelne Texte nicht unbedingt der dogmatischen Kichenlehre entsprechen.)


PaoloUccello

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