Vater Johannes von den Zellen erzählte uns folgende Geschichte:
„In Ägypten gab es eine sehr reiche und schöne Kurtisane, zu der stattliche und mächtige Leute kamen. Eines Tages geschah es, dass sie zu einer Kirche kam und hineingehen wollte.
Der Subdiakon, der an der Tür stand, wollte ihr nicht erlauben einzutreten und sagte:
„Du bist es nicht wert, das Haus Gottes zu betreten, denn du bist unrein.“
Der Bischof hörte die Stimmen ihrer Auseinandersetzung und kam heraus. Da sagte die Kurtisane zu ihm:
„Er läßt mich nicht in die Kirche.“
Der Bischof dagte zu ihr:
„Dir ist nicht erlaubt sie zu betreten, da du nicht rein bist.“
Da wurde sie von Reue ergriffen und sagte zu ihm:
„Fortan werde ich keine Unzucht mehr treiben.“
Da sagte der Bischof zu ihr:
„Wenn du dein Vermögen herbringst, werde ich wissen, dass du keine Unzucht mehr treiben willst.“
Sie brachte ihr Vermögen und der Bischof verbrannte alles in einem Feuer. Dann ging sie in die Kirche, weinte und sagte:
„Wenn mir dies später geschehen wäre, was hätte ich nicht darüber gelitten?“
So war sie umgekehrt und wurde zu einem auserwählten Gefäß Gottes.


Die Wüstenväter

Die kontemplative monastische Tradition des Christentums geht auf Einsiedler des 3. Jhdt. nach Christus zurück, die in der ägyptischen und syrischen Wüste versuchten, ein konsequentes Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Die plastischen Bilder ihrer Erzählungen ergreifen oft derart, dass man noch heute in Versuchung geraten kann, ihnen in die Wüste zu folgen...

(Die hier abgebildeten Texte stellen eine kleine Auswahl dar, ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Zudem sei darauf hingewiesen, dass einzelne Texte nicht unbedingt der dogmatischen Kichenlehre entsprechen.)


PaoloUccello

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