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  • Konsens

    „Konsens“ - das war der Tod des freien Denkens und somit der Diskussion: „Alle Wissenschaftler haben einen Konsens, dass sie mit diesen Leuten nicht reden:“, meinte die Dame des Instituts, bei dem ich angefragt hatte. Gerade hatte sie erfahren, wer der Gesprächspartner sein sollte, in einer von mir moderierten Sendung zum Thema „Alle Wetter, das Klima – lasst uns darüber reden!“. „Der Mann ist ja nicht mal Klimaforscher!“, meinte sie. Ihr fiel dabei nicht auf, dass der von mir bei ihr angefragte und als "Klimaexperte" bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Herumgereichte ebenfalls „nur“ Professor für Astronomie ist. Dennoch tingelt er inzwischen als „Experte für alles“ aus der Naturwissenschaft und als Erklärbär durch die Medien. Der Gesprächsteilnehmer, der bereits zugesagt hatte, ist Physiker und ebenfalls Professor.

    Der Astronom vertritt öffentlich die Meinung, dass derzeit zu beobachtende Wetterphänomene auf den Klimawandel zurückzuführen seien und – das ist der wichtigste Aspekt – dass dieser Klimawandel, der diese Wetterphänomene hervorrufen soll, maßgeblich vom Menschen beeinflusst seien.

    Der Physiker stellt diese menschliche Beeinflussung in Frage bzw. relativiert sie. Ich nahm also an, dass das eine spannende und vor allem auch für das Publikum interessante und erhellende Sendung werden würde. Doch dann kam die Gesprächsverweigerung. „Mehr als 99 Prozent der Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist“, fuhr die Dame fort. Ich meinte daraufhin, dass ich das faszinierend fände, wenn ihr Mann dann im Studio den „Klimaleugner“ argumentativ auseinander nehmen würde. Das wäre doch DIE Chance, endlich mal so richtig gut wissenschaftlich zu argumentieren und nicht nur die oberflächlichen Parolen herunterzuleiern, die man aus den öffentlich-rechtlichen Talkshows bis zum Überdruss kenne.

    Sie ließ sich nicht darauf ein und meinte abschließend: „Diese Menschen wollen ja nicht diskutieren. Die verweigern sich dem Gespräch. Die sind wie die AfD (Anm. d. Red: Partei „Alternative für Deutschland). Sie können überall fragen: Alle wollen mit denen nicht reden. Das ist bei uns Konsens. Alle seriösen Wissenschaftler, wissen, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Da können Sie auch bei unseren Freunden in Potsdam nachfragen. Und die alle wollen mit diesen Menschen nicht reden.“

    Schade. Sehr schade, denn ich wollte als Journalist meiner Aufgabe nachkommen und die Öffentlichkeit möglichst umfassend und ausgewogen informieren. Jetzt kommt diese Sendung nicht zustande. Es ist bereits die zweite, die wir von "Medias in Res“ absagen müssen und die dritte, die damit nicht oder nicht so wie geplant, verlaufen kann. Langsam zeichnet sich ein Muster bei den Absagen ab: Die Informations- und Gesprächsverweigerung erfolgt erkennbar dort, wo die jeweils angefragte Gruppe, Institution, Interessenvertretung oder auch Behörde in irgend einer Weise von öffentlichem Geld abhängig ist: von „Zuwendungen“, „Drittmitteln“, „Subventionen“ und/oder „Projektfinanzierungen“ oder schlicht von „guter Zusammenarbeit“ mit der Politik. In solchen Einrichtungen achtet man inzwischen offenbar penibel darauf, den politisch gewünschten Meinungskorridor nicht zu verlassen. Nicht mal, wenn das nur bedeuten würde, sich mit Menschen und Meinungen auseinanderzusetzen, die zumindest noch den Mut haben, sich außerhalb dieser politischen angestrebten Einheitssuppe zu bewegen.

    Diese Konsenswissenschaftler sind keine. Es sind selbstkastrierte Domestiken der herrschenden Meinung, Wasserträger des politisch geförderten „Bevölkerungs-Meinung“ und damit Beförderer einer Volksverdummung. Wer vor diesem Hintergrund journalistisch sauber, ausgewogen und umfassend informieren will, der muss schon reichlich hartleibig und hartnäckig sein. Oder aber das journalistische Handwerk ist ihm egal und er begnügt sich mit der oberflächlichen Befragung dieser Propagandawissenschaftler. Nur sollten diese Sender oder Zeitungen dann nicht behaupten, Sie betrieben „Journalismus“. Denn im handwerklich sauberen Journalismus gilt meiner Überzeugung nach noch immer „Audiatur et altera pars“ (Man höre auch die andere Seite).

    (MDW)

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  • Aktueller Stand

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      ist dort als Ankündigung einer mit weiteren Informationen hinterlegt.

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  • Gesprächskultur in Deutschland

    Jemand stellt ein Youtube-Video ein. Er belegt es mit seitenlangen Quellenangaben. Fakten nennt er das. Sein Video, so der Tenor, spräche für sich selbst, dafür dass eine Partei bzw. eine politische Richtung für alles Übel in Deutschland verantwortlich sei. Folgt man seinen Fakten, gibt es nur eine ehrliche Reaktion: Ja - welche nun eigentlich?

    Ein probates Mittel, andere Ansichten zu diskreditieren geht folgendermaßen:

    • Man stellt eine Vielzahl an Thesen in den Raum, nennt sie vielleicht sogar Fakten.
    • Man wartet auf Entgegnungen, die sich aufgrund der Vielzahl an Ausgangsthesen (mit denen Thema und Stoßrichtung bereits gesetzt sind) schwierig gestalten. Nicht jedem ist jeder Aspekt gleich wichtig, zudem verliert man sich leicht im Dschungel der Quellen, die nicht immer korrekt abgeleitet sind und auch in Bezug auf Qualität differieren.
    • Abschliessend nimmt man die schlechtesten Entgegnungen, stellt sie als repräsentativ dar und zeigt somit, wie schwach die Gegenseite argumentiert. Wer kann, sucht zur Verstärkung Gleichgesinnte, die durch schiere Masse jede detaillierte Auseinandersetzung unmöglich machen.


    Früher war alles besser. Nunja, vielleicht nicht alles, aber es gab durchaus Beachtenswertes. Nehmen wir einmal das Mittelalter; die Scholastik. Der wohl bekannteste Gelehrte jener Zeit war Thomas von Aquin und auch er sah sich einer Vielzahl Meinungen gegenüber, die er nicht vertrat. Seine Methodik der Auseinandersetzung war jedoch eine andere.

    • Zuerst stellte er die Gegenposition zu seinem Anliegen dar. Dies geschah nicht, um sie der Lächerlichkeit preis zu geben, um quasi eine Karikatur seiner Gegner zu schaffen, sondern um die Argumente seiner Kontrahenten zu verstehen. Zeitgenossen bezeugten, dass er in seiner Zusammenfassung die Position anderer oft treffender und eloquenter vortrug, als sie es selbst getan hatten. Es gibt sogar Positionen, von denen wir heute gar nichts mehr wüssten, hätte er sie nicht ausführlich skizziert.
    • Anschließend kam die Gegenrede, genau abgestimmt auf das, was ihm wichtig war und was er vorher zitiert hatte.
    • Auf dieser Basis konnten Leser ein eigenes Urteil fällen und im Wissen um beide Positionen, eigene Einsichten auf- und ausbauen.


    In einer Welt aus Filterblasen, aus der heraus wir jene, die unsere Kreise nicht teilen schnell für nicht satisfaktionsfähig erklären, täte es uns gut, fremde Positionen genauer zu betrachten und zu durchdenken. 

    Allzu schnell werden Ansichten, die wir nicht teilen, pathologisiert. Jeder vernünftige Mensch teilt natürlich unsere Einsicht, wir gehen ja offen und ehrlich an die Welt heran, mit den besten Absichten, wer ebenso hehre Ziele vertritt wie wir, der wird natürlich unsere Meinung teilen müssen, quasi zwangsweise. Wer das nicht einsieht, der ist entweder schlecht, oder dumm. Anderes kann nicht sein.

    Dass auf dieser Grundlage auch die Aggression gegen Menschen wächst, die partout nicht einsehen wollen, was auf der Erde gut und wichtig ist, liegt auf der Hand. Aber diese Aggression ist nicht schlimm, es ist gerechter Zorn, eine Wut, die sich berechtigt Bahn bricht. Der Zweck heiligt die Mittel.

    Medias in Res möchte diesen Weg nicht einschlagen. Wir wollen Menschen aus verschiedenen Lagern zusammenführen und die Argumente der anderen verstehen. Dabei geht es immer um Inhalte, nicht um Mehrheiten, Moden oder Gefälligkeiten. 

    Natürlich vertreten auch wir eigene Meinungen, natürlich sind auch wir nicht frei von Vorurteilen. Es ist aber unser festes Anliegen, unser erklärtes Ziel, in menschlich fairem Miteinander den großen Themen offen auf den Grund zu gehen.

    Wir gehen Medias in Res.